Eine Antiquität steigt in ihrem Wert, wenn man bei der Restaurierung darauf abzielt, den ursprünglichen Zustand des Möbels wieder herzustellen. Heutige Holzleime, Kunstharze und Lacke, wie auch gebräuchliche Schrauben und Beschläge sind verpönt; stattdessen wird mit Knochenleim, althergebrachten Nägeln bzw. Holznägeln, und für die Oberfläche mit der aufwendigen Politur von z.B. Schellack gearbeitet.
Am Beispiel dieses Schrankes aus der böhmischen Biedermeierzeit (ca.1820) kann man sehen, wie die Erneuerung der zerstörten Schellack-Politur wirkt: Der warmgoldene Farbton und die samtige Oberfläche machen aus diesem vorher stark beschädigten Stück wieder ein kostbares Möbel. Es ist ein einmaliges Stück, da die Viertelkreistüren auch Viertelkreis-Gratleisten aufweisen. Das Trägermaterial ist Fichte, das Furnier wurde aus Birne hergestellt.
Die Kommode aus dem Biedermeier lässt erkennen, was Restaurierung vermag:
Das Furnier aus Walnussbaum war stark beschädigt und durch Wurmbefall waren Teile zerstört. Zunächst wurde die Kommode in einem Fachbetrieb in der Klimakammer umwelt- und möbelschonend gegen die Schädlinge nachhaltig behandelt. Es wurden fehlende Furnierteile und Schlüsselschilder durch neue ersetzt. Das durch Feuchtigkeit wellig aufgeworfene Furnier wurde wieder mit Knochenleim befestigt. Bei diesem Möbel war ein kompletter Neuaufbau der Schellack-Oberfläche nötig.
Auch dieser Schrank aus der späteren Biedermeierzeit, wahrscheinlich aus Österreich, war stark beschädigt. Das Furnier war tief zerkratzt und an den Friesen aufgebogen oder abgefallen. Das Schloss war durch Aufbrechen zerstört worden; es wurde originalgetreu wieder beschafft und die Schilder repariert. Die Türen waren durch Nässe aufgequollen, so dass man den Schrank nicht mehr schließen konnte.
Der jetzige Zustand dieses Schrankes lässt die ursprünglichen Schäden nicht vermuten. Nun kommt das Kirschbaumfurnier mit seiner einmaligen Maserung wieder voll zur Geltung.